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Conrad Jennings, Claudia Barry

 

1 Berlin-Harlem 

Inhalt (ENTHÄLT SPOILER)

Zunächst ein Zitat: „I am the man / I suffered / I was there – whitman“

Eine füllige Kneipenwirtin mit voluminöser Frisur spricht einen schwarzen GI an, der am Tresen sitzt: „It should be full. What’s happening in this fucking city?“ Eine Frau mit kleinem, dunkelhäutigem Kind steigt aus einem Doppeldeckerbus und läuft zum der Haltestelle gegenüber liegenden Eingang einer amerikanischen Kaserne. Neben ihr begrüßt eine blonde Frau strahlend einen Schwarzen, der auf sie zukommt und mit ihr weggeht. Wieder in der Kneipe, der Dialog wird, wie alle englischsprachigen Passagen in diesem Film, nicht übersetzt. Der Soldat, John, erzählt, daß er die Armee verlassen habe, in Berlin bleiben wolle, keine genauen Pläne habe, aber eine Freundin, die draußen warte. Die Wirtin findet, daß seine Vorstellungen über die Zukunft bemerkenswert unklar seien. Die Frau mit dem Kind wartet. John und die Wirtin umarmen einander, dann verläßt er das Lokal und die Kaserne und begrüßt seine Freundin, Susanne, mit dem Kind. Sie besteigen ein Auto. Fahrt aus Windschutzscheibenperspektive durch Berlin (darüber Musik und Titel) ins Märkische Viertel, die große, seinerzeit neue Trabantenstadt im Norden, ins Bild kommt schließlich die als „Langer Jammer“ berühmt-berüchtigte Hochhauszeile. Das Paar betritt ein Wohnzimmer, Susanne meint stolz: „Our home!“ Er: „Sehr schön!“ Beide setzen sich aufs Sofa, sie schmiegt sich an ihn. Im Schlafzimmer: Von ihr sind, im Vordergrund auf dem Bett liegend, die Beine zu sehen. John zieht sich vollständig aus, legt sich dann ebenfalls aufs Bett. Zwischentitel: „True love conquers all“. John sitzt leichtbekleidet auf der Couch und klimpert auf der Gitarre. Susanne kommt hinzu und zeigt ihm begeistert, was es „heute neu in der Kerzenabteilung“ gab: eine Eule. Ihre Frage, was es zu essen gebe, beantwortet er: „Ich hab keinen Hunger.“ Sie stellt entsetzt fest, daß „nichts da“ wäre, er „gar nichts eingekauft hätte“ (zu Zeiten, als es noch frühe, gesetzlich vorgeschriebene Ladenschlußzeiten gab, keine Tankstellenshops und Pizzalieferdienste, ein ernsthaftes Problem). Er reagiert nicht. Sie wirft ihm erregt seine Untätigkeit vor, nimmt ihm die Gitarre weg. Die gesamte Szene besteht fast nur aus einer Einstellung, der einzige Zwischenschnitt zeigt in Nahaufnahme John, kurz bevor er erstmals eine Reaktion zeigt: Er ohrfeigt Susanne. Ein Paar auf einem Balkon, die Frau sonnt sich nackt. Es klingelt. Susanne kommt mit ihrem Kind: „Er hat mich geschlagen.“ Ihre Freundin: „Ich hab’s dir vorher gesagt! Immer wieder diese Probleme!“ Sie wirft ihr ihre vielen Männerbekanntschaften vor und rät: „Es gibt doch so viele süße weiße Jungs.“ Susanne glaubt, von denen nehme sie keiner, da sie ein dunkelhäutiges Kind habe. Der – nach eigener Aussage „halb schwarze“ – Gastgeber rät,  dieses ins Tierheim Lankwitz zu bringen, zu den Affen. John erscheint mit einer Rose und küßt Susanne. John schiebt einen Kinderwagen durch die Neubausiedlung. Zwischentitel: „Yesterday man“. Ein Schwarzer wartet an einer Straßenkreuzung (im Hintergrund Blick in die noch nicht zur Fußgängerzone umgebaute Wilmersdorfer Straße, von der Kantstraße nach Norden). Er schaut auf die Reisereklame an einer Warenhausfassade (Neckermann, später Karstadt, heute Kant-Center). Susanne kommt mit einem Kollegen aus dem Personaleingang. Sie beschimpft den Schwarzen und weist ihn weg. An der Bushaltestelle beklagt sie sich gegenüber ihrem – offenkundig schwulen – Kollegen über den Mann. John schreibt daheim auf einer Maschine. Susanne kommt. Er verfaßt einen militärkritischen Artikel für ein Blatt für Ex-GIs. Sie fürchtet, er könne sich damit Probleme einhandeln. Er ist erst abweisend, wird dann zudringlich. Sie will zunächst das Kind ins Bett bringen. Zwischentitel: „The German way of life“. Kaffeetafel zu Omas Geburtstag, man wartet auf John und Susanne, streitet über ihren Umgang mit Negern. Die Großmutter weist Susannes Vater darauf hin, daß er in der Nazizeit auch braun war. John und Susanne verlassen den Hochbahnhof Schlesisches Tor. Die Familie streitet weiter. Das Paar läuft die Oberbaumstraße hinauf (im Hintergrund kommen offenbar Ostrentner auf Westbesuch vom Kontrollpunkt Oberbaumbrücke). Susannes Mutter fordert unwirsch, John solle sich schnell Arbeit suchen. John erklärt, er brauche Zeit. Oma wünscht sich, John solle ein „Spirituslied“ singen. John erklärt, er sei kein Sänger. Oma: „Schwarz ist heute in!“ – Susannes Vater: „Wenn schwarz heute in ist, würde ich mit Mohrenköpfen und Negerküssen handeln.“ John geht weg. Susanne läuft ihm nach, macht ihm auf der Straße Vorwürfe, weist auf beider finanzielle Abhängigkeit von ihren Eltern hin. Sie zerstreiten sich. Zwischentitel: „Strangers in the night“. John allein auf nächtlicher Straße. Dann in einem Lokal, wo ein Schwarzer singt. Ein Weißer bandelt mit ihm an. Beim ihm daheim, auf der Matratze, will er John ausziehen, dieser will schlafen. Am nächsten Morgen: John zieht sich an. Der Weiße, Jürgen, wundert sich, daß er „so einfach abhauen“ will und bietet ihm Obdach an. John akzeptiert. Jürgen befummelt ihn. John will Arbeit suchen. John in einem Raum mit EDV-Anlage. Eine junge Kollegin ersucht um Hilfe bei einem fehlerhaften Computerprogramm und nutzt dies, um mit ihm zu flirten. Zwischentitel: „Off limits“. Jürgen antwortet telephonisch auf eine Wohnungsannonce. Als er mit John zu der Vermieterin kommt, erklärt diese nach einem Moment der Überraschung, daß das Zimmer leider schon vergeben sei. Jürgen: „Sowas haben wir fünfmal gehört heute.“ Im Garten hinter dem Haus beklagt sie sich gegenüber ihrem Mann: „Das ist gar kein richtiger Amerikaner. Das ist ein Neger!“ Er meint: „Gegen Harry Belafonte hast du ja auch nichts!“ – „Der will aber auch nicht bei uns wohnen.“ Bei Jürgen daheim: John will nicht über seine Arbeit erzählen und nicht dauernd angetatscht werden. „Wenn du Sex haben willst, dann machen wir es gleich. Dann haben wir’s hinter uns!“ Zwischentitel: „Gentleman’s agreement“. Ein Schwarzer kommt, setzt sich auf die Matratze, zu Jürgen, der ihm sagt, er solle John nicht beachten. Dieser ignoriert die beiden, auch als sie miteinander intim werden. Ein älteres Ehepaar, Tante Biggi und ihr Mann, empfangen Jürgen und John, dem sie ein Zimmer überlassen. Sie macht sich etwas schön für den neuen Untermieter. Zwischentitel: „In the ghetto“. John in seinem neuen Zimmer. In einem Lokal: Ein Schwarzer bedrängt eine Weiße, die ihn zurückweist, um Geld. Es kommt zu einer Prügelei mit ihrem schwarzen Begleiter. Dann wird getanzt. Andernorts diskutieren dunkelhäutige Politaktivisten auf englisch über Militär, Mädchen und die Bedeutung der Hautfarbe. Wieder Tanz. Wieder die Aktivisten. John stößt zu ihnen. Man wirft ihm mangelndes Engagement vor. In dem Lokal diskutiert die zuvor bedrängte Weiße mit einer ebenfalls aufgetakelten Dame über die Chancen bei John. Dieser wird jedoch von einer jungen Schwarzen abgeschleppt. Das aufdringliche Angebot eines Drogenhändlers lehnt er ab. Zwischentitel: „The misunderstanding“. In der Küche frühstücken Johns Vermieter, er läuft halbnackt durchs Bild. Tantchen entsetzt: „Wo sind wir denn hier?“ Ihr Mann: „Siehste doch: In Harlem!“ Sie hat „merkwürdige Geräusche“ gehört und will wissen, ob John jemanden mitgebracht hat. In seinem Bett liegt eine nackte Frau. John kommt zu dieser zurück und will sie hinauswerfen. Sie möchte mit ihm den Nachmittag verbringen, er allein sein. Sie zerstreiten sich. John auf Arbeit. Die Kollegin berichtet ihm freudestrahlend von ihrer Verlobung. Zwischentitel: „The beauty and the beast“. Eine junge Frau flirtet in der U-Bahn mit John. Als sie aussteigt (U-Bahnhof Olympiastadion) folgt er ihr. In einer Grünanlage kommen sie einander näher, dann wehrt sie sich und läuft weg. Zu Hause erzählt sie ihrer Mutter, sie sei vergewaltigt worden: „Das war ein Neger.“ Die Mutter ruft die Polizei. Uniformierte kommen über die Straße, finden John, der flüchtet, doch schließlich gefangen wird. Ein Anwalt belehrt ihn über seine schlechten Aussichten vor Gericht. John: „Ich dachte, es ist hier anders!“ Der Anwalt will „den Spieß umdrehen“ und darauf spekulieren, daß sich der Richter nicht dem Vorwurf des Rassismus aussetzen will. Zwischentitel: „Law and order“. Tante Biggi berichtet ihrem Mann aufgeregt davon, daß sie das amtlich aussehende Schreiben, welches am Vortag gekommen sei, in Johns Zimmer aufgestöbert habe: eine Anklage wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen. Er. „Ich hab’s ja gleich gesagt.“ Tantchen fürchtet um die Tochter einer Nachbarin und Folgen für die eigene Existenz. Man erfährt: John sei als Mieter akzeptiert worden, da man ihm eine besonders hohe Miete abknöpft. John in einem Nachtklub, wo eine weiße Frau und ein schwarzer Mann eine erotische Nummer aufführen. John trifft in dem Lokal Bekannte – seinen schwarzen Landsmann Mac und dessen weiße deutsche Frau –, will aber nicht damit herausrücken, was ihn bedrückt. Als er nach Hause kommt, hat Tantchen die Kette vorgelegt, stellt ihm die Koffer vor die Tür und nimmt ihm die Schlüssel ab. „Mit Kriminellen will ick nischt zu tun haben.“ John auf Arbeit, frustriert. „Ich bin nicht verrückt, die ganze Welt ist verrückt.“ Er geht einfach. Zwischentitel: „On the road again“. Straßenszenen, ein kleiner Flohmarkt (am Steinplatz, vor der TU-Mensa). John trifft zufällig Jürgen und erzählt, es gehe ihm „wirklich gut“: „Ich hab jetzt tolle Arbeit, schickes Mädchen, neue Wohnung.“ Vor dem Zoo-Palast (damals das große Haus der Filmfestspiele), es läuft gerade die Berlinale 1974. Ein Regisseur und seine Hauptdarstellerin sprechen John an und offerieren ihm eine Rolle. John ist skeptisch, außerdem soll er es aus politischem Engagement machen, Geld gibt es nicht. Der Regisseur drängt ihm eine Kinokarte und seine Adresse auf. Als John weg ist, meint er zu seiner Begleiterin: „Ziemlich kaputter Typ, was?“ – „Ja, aber sieht halt gut aus.“ John zerreißt die Karten und wirft sie weg. John auf einer Terrasse des Strandbads Wannsee. Ein blonder junger Mann sieht ihn an, nähert sich ihm, kniet sich hin und befriedigt den desinteressierten John in einer Weise oral, die an eine Vergewaltigung grenzt. Schließlich stößt John ihn weg, der Blonde blickt ihm enttäuscht nach. John wird in einem nächtlichen Straßencafé von anderen Gästen angesprochen, die versuchen, ihn anzupumpen. Er erzählt von seiner Lage, daß er gerade freigesprochen worden wäre. Die Frau begeistert: „Vergewaltigung? Ist ja toll!“ Sie wollen tanzen gehen, kommen aber nicht in den gewünschten Club. Vor dem Bahnhof Zoo diskutieren zwei tuntige Schwule darüber, ob John ein interessanter Sexpartner wäre. Einer von ihnen zieht schließlich mit einem Stricher ab. Zwischentitel: „Accidents will happen“. An einem Ausgang des Bahnhofs Zoo spricht der Anwalt den dort stehenden John an (in der Jebensstraße, entlang der Rückseite der Station, befand sich seinerzeit ein stadtbekannter Schwulenstrich) und lädt ihn zu sich ein. Daheim, seine Ehefrau ist verreist, läßt er schnell erkennen, was er will, schließlich auch, daß er John nicht für unschuldig hielt. Er verlangt, von dem „schwarzen Schwein“ kräftig angepackt zu werden, insbesondere am Hals. Unter des Anwalts Provokationen und Forderungen läßt John sich dazu hinreißen, zu stark zuzudrücken. Dem toten Advokaten rutscht die peinliche Perücke vom Kopf. Mac singt bei einer Party in seiner Wohnung. Dann greift er zu den Bongos und seine Gattin trägt ein frivoles Lied vor. Zwischentitel: „No way out“. Als fast alle Gäste gegangen sind, sucht John bei Mac Rat. Der erklärt ihm, John müsse sofort nach Washington zurückkehren, zu seiner Frau und seinem Kind. Dieser ruft: „That’s the last thing I want to do.“ Aber Mack meint, es sei der einzige Ausweg. Fahrt, zur Titelmusik, durch die Dudenstraße zum Flughafen Tempelhof (damals West-Berlins wichtigster Verkehrsflughafen). John und Mac verabschieden sich voneinander in der Schalterhalle, dann verläßt letzterer den Flughafen.